Gemeindebrief / Dezember 2014 – Februar 2015

Trost aus dem Kirchturm

Mit viel Aufwand haben wir unseren Kirchturm restauriert, den Beton saniert, damit uns nicht aus statischen Gründen das Glockenläuten künftig verwehrt wird. Die Zifferblätter und Zeiger der Uhr haben wir frisch streichen lassen, damit unser Kirchturm zum Reformationsjubiläum 2017 und zum Kirchenjubiläum 2019 sich sehen lassen kann. Manche Gemeindeglieder, die im 5. Stock oder höher wohnen und einen freien Blick auf unseren Kirchturm haben, freuen sich, dass sie ihre Kirche im neuen Glanz sehen.
Kürzlich bekam ich auch einen Brief, der mich gefreut hat, weil mir ein neu zugezogenes Gemeinde-glied schrieb, wie gut es ihr tue, das Tageszeitenläuten aus unserem Kirchturm zu hören. Sie hatte nicht nur den Abschied von ihrem geliebten Mann zu verkraften, sondern auch den Umzug nach Hadern mit gerichtlichem Nachspiel, und eine bevorstehende Operation machte ihr Sorge. Gerade wenn das eigene Leben aus den Fugen zu geraten droht, tut es gut, sich an Ordnungen festzuhalten, die feststehen wie das Läuten der Kirchenglocken. Auch wenn es sich manche, die dazu keinen Zugang haben, schwer vorstellen können, so weiß ich doch aus Gesprächen mit vielen Gemeinde-gliedern, dass sie das Läuten der Glocken zum Anlass nehmen, ein kurzes Gebet zu sprechen für die Menschen, die ihnen nahestehen, für die Sterbenden, Kranken und von ihrem Leben belasteten Menschen in unserem Stadtteil. Hätten wir nicht solche treuen Beterinnen und Beter, stünde es schlecht um unsere Gemeinde. Mit vielen anderen bin ich fest überzeugt, dass diese Gebete eine große Kraft haben und genauso viel zum Gemeindeaufbau beitragen wie manche Veranstaltungen, die wir organisieren.
Die Wertschätzung von Menschen und die Gebete von treuen Beter/innen haben die Kraft, Menschen in schwerer Zeit zu tragen. Vor einiger Zeit las ich von einem schwer krebskranken Mann, der oft stundenlang in der Nacht nicht schlafen konnte und dann aus seinem Fenster auf den Kirchturm blickte, in dem jemand vergessen hatte, das Licht auszumachen. Dieses kleine Licht half ihm über viele schwere Nächte, in denen es nicht nur draußen, sondern auch in ihm selbst ganz finster war. Ein kleines Hoffnungslicht, das wohl aus Nachlässigkeit nicht gelöscht wurde und mit dem der lebendige Gott diesem einsamen Mann in seinen Nachtstunden Trost spendete.
Helmut Sauer
 

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