Gemeindebrief / Juni – August 2015

Gottesdienst nachgedacht: Berggottesdienst

Gottesdienst an besonderen Orten zu feiern, einmal nicht in der Kirche, das lädt ein zum Perspektivenwechsel. Es macht Mut, sich auf neue, nicht auf die gewohnten Pfade einzulassen. Und Gottesdienste unter freiem Himmel haben Konjunktur. Die Zunahme der Zahl der Berggottesdienste in Bayern beruht auf der großen Nachfrage, die zu einer konzeptionellen Überlegung führte. Menschen sollen auch in der Freizeit mit der Kirche die Möglichkeit haben spirituelle, gottesdienstliche Erfahrungen zu machen.

Dort, wo sich erlebnishungrige Menschen am Wochenende und im Urlaub aufhalten, soll die freimachende Botschaft von der Liebe Gottes zu uns Menschen laut werden. Martin Luther meinte, man könne mit Gott auch unter einem Baum oder unter einem Strauch reden, wie es etwa Abraham oder Elia getan haben.
Der Auftrag Jesu lautet ja nicht etwa, gehe in deine eigene Kirche und predige das Evangelium den paar Kreaturen, die hereinkommen. Es heißt vielmehr wörtlich: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.“ Wir sollen also hinausgehen. Die Jäger bleiben ja auch nicht zu Hause und warten bis die Vögel in ihre Stube fliegen, und die Fischer werfen ihre Netze nicht im Innern ihrer Boote aus.
Nun fühlen sich viele Menschen in der freien Natur tatsächlich den Quellen des Lebens näher als in einer Kirche. Auch in der Bibel ist ja immer wieder von besonderen Orten die Rede, an denen Gott sich offenbarte. Etwa der Sinai ist solch ein Berg, an dem das Volk Gottes die `Zehn Gebote´ erhielt. Auch der Berg der Verklärung ist solch ein Ort, an dem Jesus verklärt wurde und mit Mose und Elia sprach im Beisein von Petrus, Jakobus und Johannes und die Stimme Gottes vom Himmel kam: „Dies ist mein geliebter Sohn, hört auf ihn.“
Uns geht es bei solchen Gipfelerlebnissen nicht anders als den Jüngern. Sie wollten am liebsten die Situation festhalten, Petrus schlug z.B. vor, dort Hütten zu bauen. Aber sowohl in der biblischen Geschichte als auch in unserem Alltag führt kein Weg daran vorbei. Alle müssen wieder ins Tal hinabsteigen und sich dem Alltag stellen.
Das Schauen spielt oben auf dem Berg natürlich eine besondere Rolle, denn die Kulisse, der Blick auf andere Gipfel und ins Tal hat seine ganz eigene Botschaft. Oft kann man sich gar nicht satt sehen. Vor zwei Jahren auf dem Breitenberg über Pfronten haben wir über dem Nebel im Tal Gottesdienst gefeiert. Ich bin gespannt, wie es das Wetter dieses Jahr mit uns meint. Helmut Sauer
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