Gemeindebrief November 2016 – Februar 2017

Der Gottesdienst aus der Sicht eines Lektors. ( Gemeindebrief downloaden )
Schon seit meiner Wahl in den Kirchenvorstand unserer Gemeinde bin ich als (liturgischer) Lektor immer wieder aktiv am Gottesdienst beteiligt, indem ich die Lesungen besorge und mit das Abendmahl austeile. Demnächst werde ich nach einer Ausbildung, die sich über acht Wochenenden erstreckt, eine andere Art von Lektorendienst antreten, den es bisher in unserer Gemeinde noch nicht gegeben hat (dagegen in sehr vielen anderen Gemeinden).

Ich werde dann ganze Gottesdienste mit dem Kernstück einer so genannten Lesepredigt halten (also dem Vortrag einer weitgehend vorgegebenen Predigt). Ist das dann überhaupt noch ein richtiger Gottesdienst, wenn er nicht in den Händen eines ‚Spezialisten‘ liegt? Eigentlich ist es für unsere Kirche nicht so ungewöhnlich, wenn eine Aufgabe, die man traditionell dem Pfarrer oder der Pfarrerin zuschreibt, auch einem anderen Gemeindeglied (in einem geordneten Verfahren)
übertragen werden kann, denn mit Luther vertreten wir das Allgemeine Priestertum aller Gläubigen. Am Ablauf und Charakter eines Gottesdienstes ändert sich dadurch nichts. Auf unseren Gottesdienstzetteln steht jeweils das ‚handelnde Personal‘ mit seinen Aufgaben verzeichnet, darunter auch die Person, die für Liturgie und Predigt zuständig ist und insofern zentrale
Teile des gottesdienstlichen Geschehens übernimmt, aber eben nicht alle. Und vor allem ist ja die Gemeinde selbst ein zentraler Akteur. Wird ein Gottesdienst nicht von einem ‚Spezialisten‘ geleitet, so wird vielleicht noch deutlicher, dass er eine Handlung der versammelten Gemeinde insgesamt ist, zu deren Gelingen alle Anwesenden beitragen (man stelle sich nur einmal vor, dass die Gemeinde in der Liturgie nicht antwortet oder niemand singt). Sie gelingt, wenn diese Anwesenden als Teil der Gemeinde die Nähe und den Zuspruch Gottes erfahren, wie intensiv und bei welchen Teilen des Gottesdienstes auch immer (im gemeinsamen Gebet oder Singen, im Hören auf das Gotteswort bei den Lesungen, im Nachdenken über die dargebotene Auslegung dieser Worte).
Ich hoffe, in meiner neuen Rolle als Lektor, der in manchen zukünftigen Gottesdiensten für Liturgie und Predigt zuständig sein wird, zu einem solchen Gelingen beitragen zu können.
Wilhelm Oppenrieder
(Hier könne Sie den gesamten Gemeindebrief_III-16 herunterladen).

 

Kommentare sind für diesen Artikel gesperrt.