Gemeindebrief Juni – September 2017

Paul Gerhardts „Sommer-Gesang“ (EG 503) (Gemeindebrief_downloaden)
Wenn es ein Lied gibt, bei dem ich mich sofort unter einen strahlend blauen Himmel bei angenehm warmer Luft, inmitten von frischgrünen Bäumen und lautem Vogelgezwitscher, versetzt fühle, dann ist es Paul Gerhardts Lied „Geh aus, mein Herz“.

Wie bei solch langen Liedern üblich haften die ersten Strophen weitaus stärker im Gedächtnis als der umfangreiche Rest. Und in den ersten sieben Strophen wird in fröhlich-beseelter Sprache, gepaart mit der beschwingten Melodie vom Anfang des 19. Jahrhunderts, ein irdisches Sommer-Paradies gemalt. Es ist wirklich ein Paradiesgarten, in dem die bunte und mit frischer Kraft austreibende Pflanzenwelt sich mit der friedlichen Tierwelt verbindet: Insbesondere die Singvögel sind das hörbare Gegenstück zu den bunten Blumen, viel melodischer als die beste Hofkapelle.
Aber es ist auch unsere Welt ‚jenseits von Eden‘, in die sich Schafe und Hirten, der Weizen und die in der ersten Strophe erwähnten Gärten harmonisch einfügen. Der Dichter fordert sein Herz, sein innerstes Wesen, auf, sich mittenhinein in diese wunderbare Schönheit zu begeben und sich von ihr erfreuen zu lassen – und wir Lesende, Hörende, Singende können es ihm gleichtun. Schon diese erste Strophe weist aber auch über die reine Augen- und Ohrenlust hinaus, wenn sie die wunderbaren Erscheinungen als Gaben einführt, die das Herz seinem Gott verdankt.
Im zweiten ‚geistlichen‘ Teil schließlich führt uns das Lied zu den Gottesgaben, von denen die „arme Erde“ – die gleichwohl in ihrer Sommerpracht alles andere als ein Jammertal ist – nur ein schwacher Abglanz ist: das zukünftige und doch schon erahnbare „Paradeis“, in dem das singende Gotteslob der zentralen achten Strophe sich mit dem Chor der „viel tausend Seraphim“ verbinden kann. Von dieser achten Strophe an spricht das Ich mit dem Gott seines Herzens, es deutet die Mühen seines Lebens an – „dieses Leibes Joch“ –, spricht von seiner Sehnsucht nach Gottesnähe – „vor deinem Thron“ – und wendet sich Gott in Lob und Bitten zu.
Am Ende leuchtet noch einmal ein Sommerbild auf, aber nicht um die vergänglichen Narzissen und Tulpen unserer Gärten geht es: Der Dichtende, Singende, Betende wünscht, selbst als unverwelkliche „schöne Blum“ in Gottes Himmelsgarten zu stehen. (Dr. Wilhelm Oppenrieder)
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