Gemeindebrief Juli – September

Kyrie und Gloria     (den ganzen Gemeindebrief_III-18 downloaden)
Vielleicht finden es manche ungewöhnlich, in einem evangelischen Gottesdienst griechisch zu singen, auch wenn man die Übersetzung kennt: Herr, erbarme dich. Das Kyrie eleison wurde im 5. Jh. von der griechischen Kirche übernommen. Es blieb ein Teil des Gottesdienstes auch nach der Reformation. In der frühen Kirche

war Kyrios die wichtigste Hoheitsbezeichnung für Jesus Christus. Zur damaligen Zeit wurde der Kaiser so begrüßt, wenn er den Raum betrat. Es ist also ein Ausdruck der höchsten Verehrung, ein sog. Huldigungsruf. Die Christen haben diesen Titel schon früh auf Jesus übertragen und damit ein Bekenntnis abgelegt zu Christus als dem Herrn.
Der Wechselgesang der Gemeinde mit dem Liturgen, dem Pfarrer, der Pfarrerin oder dem Prädikanten, der den Gottesdienst hält, bringt zum Ausdruck, dass man sich auf Gott als höchste Autorität einstellt. Im ersten Gebot heißt es: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir. So ist dieser Ruf immer auch ein Zurechtrücken der Verhältnisse und immer ein kritisches Element gegenüber weltlichen Herrschern. Egal, wer und was einem begegnet, niemand und nichts außer Gott soll die wichtigste Stelle im Leben einnehmen. Das ist hilfreich besonders in Zeiten, in denen man sich durch die Verhältnisse oder durch Mitmenschen unter Druck gesetzt fühlt. In der heute üblichen Form des evangelischen Gottesdienstes geht das Confiteor, das Sündenbekenntnis, dem Kyrieruf voraus. Infolgedessen ist für viele die Bedeutung
des Kyrie weniger ein Huldigungsals vielmehr ein Bittruf um Erbarmen. Selbst in der Folk- und Metalszene wird dies mitunter aufgenommen, z. B. In „Foppt den Dämon” von Subway to Sally.
Gloria
Nach dem Kyrie folgt – außer an Sonntagen in der Advents- und der Fastenzeit – das Gloria (lat. für „Ehre sei Gott“). Das Gloria ist der Gesang der Engel. Man denke nur an die Erzählung von der Geburt des Jesuskindes. Dort singen Engel das Gloria den Hirten vor, die sich dann auf den Weg zur Krippe machen: „Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen.“ In alter Zeit war dies Gloria lediglich dem Papst und dem Bischof vorbehalten. Nach
und nach wurde es dann von den Priestern und Pfarrern gesungen. Mittlerweile singen alle mit. Das ist, denke ich, angemessen. Es entspricht der Vorstellung, dass alle, die getauft sind, Heilige sind, die darum auch alle gleichermaßen das Recht haben, Gott zu loben.
Thomas Schmidt

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