Gemeindebrief Oktober – Dezember

Gedanken zu einem Weihnachtslied       (den ganzen Gemeindebrief_IV-18 herrunterladen)

Bestimmte Melodien hört man, und dann gehen sie einem nicht mehr aus dem Sinn. Vielleicht geht es vielen so beim Lied „Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all.“ Das Lied ist von Christoph von Schmid (1768 – 1854). Zunächst war er Jugendbuchautor und Lehrer, wurde später katholischer Pfarrer und war ab 1826 Domkapitular in Augsburg.

Einige Jahre vor seinem Tod ist eine kleine Begebenheit verzeichnet, der sein Lied zu verdanken ist. Der damals 80jährige machte an einem schönen Tag im Advent wie gewohnt seine Runde. Doch diesmal führte ihn sein Weg ins Gildehaus der Stadt; dort hatten Schnitzer aus dem Bayerischen Wald die Meisterstücke ihrer Schnitzereien ausgestellt. Als die Haushälterin des alten Herren ihn wegen seines langen Ausbleibens suchte, fand sie ihn im Kreise vieler Kinder, die ihm wie gebannt zuhörten.

Anhand der einzelnen Figuren der Krippe, die einer der Holzschnitzer ausgestellt hatte, erzählte er in ganz einfachen Worten die Weihnachtsgeschichte. Zu Hause angekommen, schrieb er zu einer damals sehr bekannten Melodie eine Nacherzählung dessen, was er gerade erlebt hatte: „Ihr Kinderlein kommet“.

In den ersten vier Strophen nimmt man teil am Geschehen: Kinder erkennen die Bedeutung des Lichtes, sie sehen das Kind in der Krippe, sie staunen mit Maria und Joseph, sie hören beinahe den Engelchor, und still verharren sie – wie die Hirten – im Gebet!

Aber von Schmid hat es nicht bei den ersten vier Strophen belassen. Das Kind in der Krippe ist ja nicht immer Kind geblieben, als Mann wurde dieser Jesus von Nazareth ans Kreuz geschlagen, für uns, für unsere Sünden. Das gehört zusammen: Das Kind in der Krippe und der Mann am Kreuz.

Und so stellt er den Zusammenhang her: im Stall zu Bethlehem schon Armut und Not, später am Kreuz Leid und Tod.

Die letzte Strophe lautet: „So nimm unsere Herzen zum Opfer denn hin, wir geben sie gerne mit fröhlichem Sinn. Ach mache sie heilig und selig wie deins, und mach sie auf ewig mit deinem nur eins.“ Damit wird nach der eigenen Stellung, der eigenen Antwort auf Weihnachten, auf die Geburt Jesu gefragt. Es genügt nicht, das Kind in der Krippe zu betrachten und zu sagen: nun ja, ein Kind, ein guter Grund für ein Kinderfest.

Weihnachten, die Geburt Jesu, das ist erst ein Anfang. Vielleicht kann man das lernen von diesem Lied, dass man nicht stehenbleibt bei der Geburt, an Weihnachten, sondern weiterdenkt und weiterglaubt an den lebendigen, den gekreuzigten und auferstandenen Herrn. (Thomas Schmidt)

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